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Alle reden über Agilität – Agilität ist das Buzzword unserer Tage und eine sichere Bank beim „Bullshit Bingo“! Doch die Erfahrungen mit Agilität und agilen Methoden zeigen in vielen Organisationen inzwischen nachweisbare Erfolge. Die Konzentration auf den Nutzen für den internen wie externen „Kunden“, optimierte Reaktionszeiten, der Umgang mit Komplexität, die zunehmende Transparenz und Selbstorganisation im Unternehmen zeigen Wirkung. Sie führen zu Minderung von Blind- und Fehlleistungen, Streu- und Reibungsverlusten und damit am Ende zu besseren Ergebnissen.

Doch was ist eigentlich Agilität?

Diese Frage stellt sich aktuell vielen Führungskräften, die bisher nur am Rande mitbekommen haben, dass agile Modelle und Methoden zum Erfolg des Unternehmens beitragen können und dass diese Arbeitsweise ein Weg in die digitale der Zukunft sein kann.

Ursprünglich wurden die agilen Modelle und Methoden in der IT- und Software-Branche entwickelt. Sie basieren im Wesentlichen auf den japanischen Lean-Prinzipien. „Agilität“ weist viele Merkmale auf, die es Unternehmen ermöglichen flexibel auf ihre Umwelt zu reagieren und in einer VUKA-Welt (VUKA = volatil, ungewiss, komplex, mehrdeutig) erfolgreich zu agieren. Agile Modelle und Methoden sind mit klaren Prinzipien hinterlegt, deren Umsetzung zu einer reaktionsfähigen, kunden- und nutzenorientieren Organisation mit motivierten Mitarbeitern führen kann.

Doch Vorsicht! Die Umsetzung der agilen Prinzipien funktioniert eben nicht in jedem Umfeld und kann auch richtig schiefgehen! In den letzten Jahren haben wir in vielen Projekten erlebt, dass gut gemeint noch lange nicht auch gut gemacht ist. Kurz gesagt: Wer seine Hausaufgaben in der analogen Welt nicht gemacht hat, wird auf seinem Weg in die digitale Zukunft scheitern! Oder wie es ein CEO charmant ausdrückte: „Wer einen sch… Prozess digitalisiert hat am Ende einen digitalisierten sch… Prozess!“

Dabei sind viele Schwierigkeiten und „Soll-Bruchstellen“ in den Projekten zur „Agilen Transformation“ vorhersehbar und nicht selten beginnt es schon mit ungenauen Vorstellungen, einer mangelhaften Zielsetzung und irreführenden Vorannahmen.

Hier unsere Hitliste der sieben besten Gründe, wann Du die Finger von der „Agilen Transformation“ lassen solltest:

1. Eine fehlende „Kultur des Vertrauens“

Ich vertraue meinen Mitarbeitern nicht – sie sind weder motiviert noch kompetent genug – und Kontrolle ist der einzige Weg, die Produktivität zu sichern.

Hier steht ein Paradigmenwechsel an: Weg von „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ hinzu „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“.

Denn ohne eine „Kultur des Vertrauens“ fehlt die notwendige Basis für eine erfolgreiche „Agile Transformation“.  Mit einer „Agilen Transformation“ sendest Du die Botschaft an Deine Mitarbeiter, dass Du ihr Commitment, ihre Initiative, ihre Kreativität und ihr Verantwortungsbewusstsein einforderst. Du erwartest von ihnen, ihren Kollegen zu vertrauen und Wissen und Erfahrungen offen miteinander zu teilen.

Doch wenn Du dazu parallel die gegenteilige Botschaft mit Deinem Führungsstil und Führungsverhalten sendest, verbaust Du Dir und allen Mitarbeitern in Deinem Unternehmen den Weg in eine agile Zukunft.

 

2. Massenproduktion

In unserem Unternehmen produzieren wir nur Massenprodukte und erledigen Routineaufgaben für einen stabilen Markt.

In diesem Fall solltest Du ebenfalls die Finger vom Thema „Agile Transformation“ lassen. Hier gibt es für Dein Unternehmen keinen Mehrwert zu schöpfen. Vielleicht genügt es, wenn Du Dich in der Welt der „Lean Thinking“ umsiehst (wenn Du das nicht schon getan hast). Hier findest Du sicher eine ganze Reihe von lohnenden Ansätzen zur Steigerung von Produktivität und Qualität.

Agilität und Lean Thinking haben im Kern viel gemeinsam. Beide Ansätze stellen den Menschen in den Mittelpunkt und beide legen den Schwerpunkt auf einen „Kontinuierlichen Verbesserungs- und Lernprozess“. Doch agile Modelle und Methoden gehen einen wesentlichen Schritt weiter. Sie entfalten ihre volle Wirkung, wenn Mitarbeiter gefordert sind, über die täglichen Routinen hinaus eigenverantwortlich, kundenorientiert, kreativ und innovativ den Herausforderungen zu begegnen und Lösungen zu entwickeln.

 

3. Direktionaler Führungsstil / Management by Command and Control

Management by Command and Control: Ich möchte keine selbstständig denkenden und handelnden Mitarbeiter in meinem Unternehmen!

OK, mach Dir keine Sorgen! Diese Haltung schützt Dich zuverlässig vor allen Unwägbarkeiten der „Agilen Transformation“.

 

4. Personalentwicklung ist überflüssig

Ich investiere nicht in Sozial-Klimbim und in die Aus- und Weiterbildung meiner Mitarbeiter!

Viel Erfolg! Dieser kleine Dialog soll die Brisanz dieser Haltung verdeutlichen:

CFO und CHRO unterhalten sich über die Belegschaft. CFO: „Stellen Sie sich vor, wir trainieren sie und dann verlassen sie uns!“ CHRO: „Stellen Sie sich vor, wir trainieren sie nicht und sie bleiben…“

 

5. Wir sind die Besten!

Unsere aktuellen Verfahren und Methoden sind gut genug für unseren Markt – wir benötigen keinen kontinuierlichen Verbesserungs- und Innovationsprozess.

Herzlichen Glückwunsch! Ruh’ Dich weiter auf Deinen Erfolgen der Vergangenheit aus. Wenn Dein Markt sich verändert, wenn neue Wettbewerber auftreten oder wenn neue Verfahrensweisen und Innovationen den Markt umkrempeln – spätestens dann überprüfe Deine Haltung noch einmal… Dein kommender Mitbewerber bereitet sich vielleicht schon “in einer Garage” zum Angriff vor und wird den Markt disruptiv aufmischen. Siehe AirBnb oder Uber.

Stell also sicher, dass Du den „Schwarzen Schwan“ rechtzeitig wahrnimmst und Du die richtigen Leute an Bord hast, die sich der Herausforderung stellen können und wollen.

 

6. Visionen und Leitbilder sind überflüssig

Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen!

Unternehmen ohne eine attraktive Vorstellung von der Zukunft (Vision), ohne ein vitales Leitbild und eine stabile Wertelandschaft tun sich schwer, „Agilität“ zu einem zukunftsweisenden Wert in ihrer Kultur zu machen. Die „Agile Transformation“ fordert alle Mitarbeiter in der Organisation heraus, stets ihr Bestes zu geben – auch Dich. Das ist nun einmal anstrengend und mühsam! Und es ist eine psychologische Binsenweisheit, dass Menschen so manches „wie“ ertragen, wenn sie wissen „wofür“ und „warum“ sie sich in Zeug legen sollen.

Sorge also für eine „Sehnsucht nach dem Meer“!

 

7. Meine Freunde im Golfclub

Mein Freund im Golfclub hat es schon mal probiert und so seine Erfahrungen gemacht!

Auf der empirischen Basis n = 1 bist Du zu dem Schluss gekommen: „Agile Transformation“ ist extrem anstrengend und aufwendig. Da kann vieles schief gehen! Also abwarten und Tee trinken – es wird sich sicher schon bald eine günstigere Gelegenheit für einen Einstieg bieten.

Hoffentlich ist es dann nicht zu spät! Wie wäre es, zu nächst in einem kleinen, überschaubaren Bereich der Organisation in einem Pilotprojekt mit einem agilen Ansatz zu starten, dabei erste Erfahrungen zu machen und diese auszuwerten bevor diese Ansätze in weiteren Bereichen der Organisation ausgerollt werden?

Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass diese Liste mit Sicherheit nicht vollständig ist… Wenn Du etwas erlebt hast, dass diese bereichert, zögere nicht und schreibe uns Deine Geschichte zum Beispiel hier in den Kommentar zu diesem Artikel. Wir sind gespannt und freuen uns auf Deinen Beitrag 😉 !

 

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HansJörg Schumacher

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