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Heute Morgen hatte ich einen sehr speziellen Start. Ich saß noch nicht ganz vor meinem Laptop, da stieß ich mit einer unbedachten Bewegung meinen randvollen Kaffeebecher um… Ein großer Teil der Flüssigkeit lief mir über Hemd und Hose. Der Rest über die gesamte Länge und Breite des Arbeitstisches inklusive einiger Unterlagen und der aktuellen ToDo-Liste für den Tag – was für ein Start!

Wenig später, ich hatte das Schlimmste im Griff und vor allem mein MacBook hatte nur einige wenige Spritzer abbekommen las ich bei einem meiner XING-Kontakte folgendes Zitat:

“MACHEN ist wie WOLLEN, nur KRASSER – und das Leben besteht zu 10% daraus, was Dir passiert und zu 90% daraus, wie Du darauf reagierst”

Und mir war schlagartig klar, dass hier ein Schlüssel für das Überleben in der VUKA Welt liegt!

Ich hatte das 90/10 Prinzip von Steven R. Covey wiederentdeckt… und ich möchte Dir dieses Prinzip im Folgenden vorstellen und Dir so einen Weg aufzeigen, wie Du Deine Überlebenschancen in der VUKA Welt signifikant vergrößern kannst!

Worum geht es beim 90/10 Prinzip?

Ganz einfach besagt es, dass 10% unseres Lebens aus dem bestehen, was uns zustößt und zu 90% des Lebens aus dem bestehen, wie wir darauf reagieren.

Das hört sich ja sehr einfach an, aber was bedeutet es? Nun, wir haben über 10% der Dinge, die uns täglich zu stoßen absolut keine Kontrolle.

Wir können eben einfach nicht darüber entscheiden, wann uns ein Missgeschick oder ein Unfall passiert. Manchmal entscheidet ein Orkantief oder Ereignisketten über die Abfahrt meines Zuges und verschieben diese, und das kann meinen kompletten Zeitplan für den Rest des Tages durcheinanderwirbeln… über diese 10%, die Murphy-Faktoren in unserem Leben, haben wir einfach keine Kontrolle.

Doch mit den übrigen 90% sieht es komplett anders aus. Durch meine Reaktion auf das „Murphy-Ereignis“ bestimme ich selber, wie es danach weitergeht. Meine Reaktion auf das Ereignis kann ich mit etwas Übung unter meine Kontrolle bringen und so den Gang des Geschehens beeinflussen. Es gilt die Zeitspanne zwischen Reiz und Reaktion auszuweiten und so Autonomie in meinem Leben zu gewinnen. Wir werden so zu Menschen, die eben nicht auf jedes „Rote Licht“ reagieren wie einst das HB-Männchen in der Zigarettenreklame der 60ziger Jahre.

Hier für alle die es nicht kennen oder sich nicht daran erinnern:

Gehen wir zusammen noch einmal zur verschütteten Tasse Kaffee am heutigen Morgen zurück. Mit meiner Reaktion entscheide ich über das, was jetzt passiert: Ich fluche und beschimpfe das Universum aufgrund meines Missgeschicks. Fahrig und genervt wische ich den Kaffee von Tisch und Boden auf und rette, was zu retten ist. Dann nach oben ins Schlafzimmer mich umziehen, Hemd und Anzug wechseln. Dabei reißt ein Knopf vom Hemdkragen und meine Laune wird noch schlechter. Ich hasste zum Schreibtisch und packe meine Unterlagen für den Tag zusammen, blicke zur Uhr und merke, dass die Zeit langsam knapp wird.

Tempo, Tempo heißt jetzt die Devise! Schnell noch die Schuhe anziehen und dann aber los… Mein Schnürsenkel hält ausgerechnet in diesem Moment meiner Entschlossenheit und Eile nicht Stand. Oh what a f…!

Anderes Paar Schuhe schnell aus dem Schrank holen und anziehen. Es muss noch nachgebürstet werden. Dann ins Auto und ab zum Kundentermin. Weil ich zu spät dran bin, fahre ich in einer 30 km Zone über 20 km zu schnell und bin jetzt stolzer Besitzer einer 80 € Geldbuße und einem neuen Foto fürs Album.

Nachdem ich mit 20 Minuten Verspätung zum Termin komme merke ich an der Parkuhr, dass ich meine Brieftasche vergessen habe. Mein Tag ist schlimm gestartet und jetzt wird es scheinbar nur noch schlimmer…

Einer der Fernsehhelden meiner Jugend heiß Kermit, Kermit der Frosch aus der Sesamstraße. Kermit ist ein Genie im konstruieren von „Was-passiert-dann-Maschinen“. Einfach genial! Hier das Beispiel:

Wie wäre es, die Kompetenz und Kraft zu haben gleich zu Beginn der Ereigniskette dem Ganzen eine völlig andere Richtung geben zu können? Eine Richtung, bei der das geschieht, was mir nützt?

Einer meiner spirituellen Begleiter gab mir in meiner Ausbildung folgendes mit auf den Weg. Er nannte es seinen „morning prayer“. Du kannst es aber auch genau so gut eine positive Affirmation oder auch Mantra nennen, mit dem Du Dein Bewusstsein und Deine Wahrnehmung gezielt steuerst.

Oh Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann!
Und Herr, gib mir die Gelassenheit, die Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann!
Und Herr, gib mir die Weisheit das Eine von dem Anderen, unterscheiden zu können!

Spulen wir also den Film noch einmal zurück bis zum entscheidenden Moment – zur verschütteten Tasse Kaffee am Morgen. Wieder entscheide ich mit meiner Reaktion über das, was folgt: Diesmal lächle ich über mein Missgeschick und freue mich als erstes, dass mein MacBook so gut wie nichts abbekommen hat. Dann gehe ich ruhig in die Küche und besorge mir Handtuch und Lappen und beginne den Kaffee aufzuwischen, wobei ich mich innerlich frage, ob in diesem Missgeschick eine Botschaft des Universums an mich enthalten ist und wenn ja, welche? Dann gehe ich nachdenklich und doch gelassen nach oben ins Schlafzimmer mich umziehen, Hemd und Anzug wechseln. Auf dem Weg zurück packe ich zusammen, was zusammen gehört, blicke auf die Uhr und sehe, dass genügend Zeit sein wird um in der Stadt noch kurz auf einen Espresso in meinem Lieblingscafé vorbei zu gehen… Oh what a luck ;-)!

Alles klappt wie geschmiert und für den Einstieg in das Kundengespräch habe ich heute dazu noch eine ganz besondere Anekdote! Ich liebe das „story telling“!

Noch einmal: Wir haben absolut keine Kontrolle über 10% der Dinge, die uns täglich zu stoßen! Doch was darauf folgt, liegt in unserer Hand.

Wie können wir das 90/10-Prinzip wirkungsvoll für uns nutzen?

Ich möchte Dir ein Beispiel geben, wie Du das 90/10 Prinzip im täglichen Leben anwenden kannst. Verhält sich zum Beispiel eine Person negativ Dir gegenüber, dann sauge das „Negative“ nicht auf, wie ein trockener Schwamm das Wasser. Lass das Ganze an Dir abperlen, genau so, wie Wasser auf einer Glasscheibe. Dazu kannst Du wunderbar die „Friede sei mit Dir!“-Affirmation nutzen. Die funktioniert ganz einfach. Denke und sage in Deinem inneren Dialog „Friede sie mit Dir!“ und sieh Dein Gegenüber dabei direkt an. Du wirst verblüffende Reaktionen damit provozieren. Wenn Du zudem noch tief und ruhig ein- und ausatmest werden negative Kommentare Dich nicht berühren und Dein Blutdruck bleibt im Normalbereich. So kannst Du dem Geschehen mit heiterer Gelassenheit begegnen. Rund 10 Sekunden Zeitspanne zwischen Reiz und Reaktion sind dabei völlig hinreichend, um dem Geschehen und damit Deinem Schicksal eine andere Wendung zu geben.

Eine andere Möglichkeit ist es, sich in einem der 10%-Ereignisse als erstes die Frage „nach dem Guten im Schlechten“ zu stellen. Eine Verspätung oder gar der Ausfall Deines Fluges öffnet Dir dann auf einmal die Chance mit Mitreisenden ins Gespräch zu kommen und so vielleicht einen wichtigen neuen Kontakt zu knüpfen. Wer weiß das schon…

„Oh Herr“, sprach Hiob einst, „alles was ich fürchtete kam über mich!“ Dreh’ dieses Prinzip der „sich selbst realisierenden Prophezeiungen“ doch einfach um, und alles Positive, dass Du Dir wünscht, bekommt zumindest eine Chance, über Dich zu kommen.

Probiere es aus!

HansJörg Schumacher

HansJörg Schumacher
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